Blei-Belastung: Eine Feinstaubmaske als Schutz für Sportschützen

Blei-Belastung: Eine Feinstaubmaske als Schutz für Sportschützen
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Mehrere Untersuchen haben gezeigt, dass Sportschützen eine erhöhte Bleikonzentration im Blut aufweisen, auch wenn sie auf modernen Schießständen schießen. Die Belastung mit dem toxischen Schwermetall Blei kann zu gesundheitlichen Problemen führen. Da ich selbst Sportschütze bin, war ich für diese Thema sensibilisiert und habe den Inhalt meiner Recherchen für Sie aufgearbeitet. Eine ganz interessante Untersuchung hat jedoch gezeigt, dass man gegen die erhöhte Bleibelastung mit Feinstaubmasken (einem Mundschutz) gegensteuern kann.

Inhaltsübersicht

Meine Feinstaubmasken-Vorschläge für Sportschützen

Top2 Masken für Sportschützen
BildName & Herstellerverschiedene GrößenWechselfilterPreisKaufen
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3M Aura Atemschutzmaske 9322+SV (5 pack)Aura 3M (5er Pack)<<>EUR 17,39

nützliche Links

Was ist Blei?

Blei (Pb, lat. plumbum) gehört zu der Gruppe der Schwermetalle, zu der auch Cadmium und Quecksilber gehören. Blei ist ein sehr weiches, dehnbares sowie unedles Metall mit einem Schmelzpunkt von 327,5 °C, einem Siedepunkt von 1.744 °C und einer Dichte von 11,34 g/cm³. Schon bei gewöhnlicher Temperatur entzündet sich feinverteiltes Blei an der Luft von selbst.

Blei ist dabei kein natürlicher Bestandteil unserer Nahrung. Allerdings gelangt das Schwermetall durch die Bleibelastung von Luft, Boden, Wasser, Pflanzen (z.B. Pilze, Getreideprodukte, Kartoffeln) und Tieren in unsere Nahrungskette. In den Tieren reichert es sich besonders stark in der Leber, in den Nieren und in den Knochenpartien an, was dazu führt, dass diese Körperpartien besonders stark belastet sind. Unter normalen Lebensbedingungen werden aus der Umwelt mit der Atemluft und mit der Nahrung vom Erwachsenen täglich etwa 200 µg (= 0,2 mg = 0,0002 g) Blei aufgenommen.

Gesundheitliche Auswirkungen einer Belastung mit Blei

Blut im Labor

Das Schwermetall Blei ist bereits in geringen Dosen gesundheitsschädlich für den menschlichen Organismus!

Blei ist bereits in geringen Dosen gesundheitsschädlich! Das vom Körper absorbierte Blei ist zu 99 % an den roten Blutkörperchen gebunden und verteilt sich so innerhalb von vier bis sechs Wochen in die Organe (Leber, Nieren, Bauchspeicheldrüse, Eierstöcke). In diesen Organen bleibt der Bleigehalt während des Lebens weitgehend konstant, da die Halbwertzeit im Weichgewebe und im Blut bei ca. 28 – 36 Tagen liegt. Die Halbwertszeit im Knochen beträgt mehr als 20 Jahre, was dazu führt, dass die im Knochensystem abgelagerte Bleimenge beim Menschen mit wachsendem Lebensalter stetig zunimmt.

Blei reichert sich vor allem im Knochen ein Leben lang an!

Bei der Bleiintoxikation gilt es zwischen einer akuten und einer chronischen Vergiftung unterscheiden, wobei sich typische Symptome in Abhängigkeit von der Blutkonzentration zeigen.

Referenzwerte, Grenzwerte und Co.

Die Kommission Human-Biomonitoring (HBM) des Umweltbundesamtes hat Referenzwerte für die Schadstoffkonzentration definiert. Diese Werte ist mehr als Richtwert einer durchschnittlichen Belastung mit Blei anzusehen und ist kein Wert, bei dessen Überschreitung ein Handlungsbedarf besteht.

HBM Referenzwerte für Blei im Blut bei Kindern und Erwachsenen
PersonengruppeReferenzwert
Kinder (3-14 Jahre)35 μg/l
Frauen (18-69 Jahre)70 μg/l
Männer (18-69 Jahre)90 μg/l

Bis zum Jahr 2009 hat das HBM auch noch HBM-I und HBM-II veröffentlich, die als Prüfwert und Interventionswert angesehen werden konnten. Dabei galt der HBM-I Wert als Prüfwert, der HMB-II Wert als Interventionswert. Mehr Infos zu den Werten finden Sie in den Infoboxen. Die HBM-Werte (HBM-I und HBM-II) für Blei im Blut aller Personengruppen wurden von der Kommission HBM im Jahr 2009 ausgesetzt. Gründe hierfür waren insbesondere das Fehlen einer Wirkschwelle für Blei und die Einstufung der MAK-Kommission von Blei in die Kat. 2 („als Krebs erzeugend für den Menschen anzusehen“).

HBM-I (Prüfwert)

„Der HBM-I-Wert entspricht der Konzentration eines Stoffes in einem Körpermedium, bei dessen Unterschreitung nach dem Stand der derzeitigen Bewertung durch die Kommission nicht mit einer gesundheitlichen Beeinträchtigung zu rechnen ist und sich somit kein Handlungsbedarf ergibt“.

HBM-II (Interventionswert)

„Der HBM-II-Wert entspricht der Konzentration eines Stoffes in einem Körpermedium, bei dessen Überschreitung nach dem Stand der derzeitigen Bewertung durch die Kommission eine als relevant anzusehende gesundheitliche Beeinträchtigung möglich ist, so dass akuter Handlungsbedarf zur Reduktion der Belastung besteht und eine umweltmedizinische Betreuung (Beratung) zu veranlassen ist. Der HBM-II-Wert ist somit als Interventions- und Maßnahmenwert anzusehen“.

HBM-Werte (Prüfwert & Interventionswert) für Blei
PersonengruppeHBM-IHMB-II
Kinder ≤ 12 Jahre, Frauen im gebärfahigen Alter100 μg/l150 μg/l
Männer, Frauen > 45 Jahre150 μg/l250 μg/l

Zu meinen Vorschlägen für Sportschützen

akute Bleivergiftung

Analyse im Labor

Von einer akuten Bleivergiftung spricht man bei Werten ab Bleispiegel 1000 µg/l Vollblut. Bei dieser Konzentration können folgende Symptome auftreten:

  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Kopfschmerzen
  • Müdigkeit
  • Schlaflosigkeit
  • diffuse Muskelschwäche

Da Blei jedoch nicht sehr gut vom Körper aufgenommen wird, sind akute Vergiftungen eher selten.

chronische Bleivergiftung

Analyse im Labor

Die chronische Bleivergiftung (Saturnismus) kann bereits bei einer täglichen Bleiaufnahme von 1000 µg ausgelöst werden. Sie entsteht häufig schleichend und äußert sich mit unspezifischen Symptomen, die mit einer Bleivergiftung nicht in Verbindung gebracht werden müssen.

  • abdominale Schmerzen
  • Bluthochdruck
  • Obstipation
  • Übelkeit und Erbrechen
  • abdominale Krämpfe
  • Appetitlosigkeit
  • Depression
  • Konzentrationsstörungen
  • Impotenz

Da die Halbwertszeit im Knochen mehr als 20 Jahre beträgt, nimmt die die im Knochensystem abgelagerte Bleimenge beim Menschen mit wachsendem Lebensalter stetig zu. Bei plötzlicher Freisetzung größerer Mengen des gespeicherten Bleis aus dem Knochen (Stress, Stoffwechselstörungen, Infekte) kommt es zu Symptomen wie bei der akuten Vergiftung („Bleikrise“).

Auch Bleikonzentrationen im Blut von „nur“ 50 und 90 μg/l können zu einer Steigerung der Mortalität für Herzkreislauferkrankungen
und Krebs führen-

Zu meinen Vorschlägen für Sportschützen

Untersuchungen haben gezeigt, dass eine erhöhte Bleikonzentrationen im Blut die Gesamtmortalität sowie die Mortalität für Herzkreislauferkrankungen und Krebs steigert. Dabei führen erhöhte Bleiwerte im Blut zu einer Erhöhung des Blutdrucks, was die gesteigerte Mortalität für Herzkreislauferkrankungen erklärt. Blei und seine anorganischen Verbindungen, mit Ausnahme von Bleichromat und Bleiarsenat, sind „als krebserzeugend für den Menschen anzusehen“ (Kategorie 2)

Die erhöhte Bleibelastung bei Sportschützen

bleihaltige Munition . Belastung bei Sportschützen

Sportschützen sind einer höheren Belastung mit Blei ausgesetzt als die Allgemeinbevölkerung. Ein Grund für erhöhte Bleiwerte im Blut von Sportschützen, insbesondere von Klein- und Großkaliberschützen, ist der Gebrauch von bleihaltiger Munition. So kommt es bei Bleigeschossen zum Abrieb des Schwermetalls, wenn das Geschoss durch die heißen Gase durch den Lauf getrieben wird. Die Hauptquelle für das freigesetzte Blei ist jedoch der Anzündsatz, der in der Regel Blei enthält. So entsteht ca. 1 Liter bleihaltiges Aerosol, welches von uns Schützen eingeatmet wird. Je nach Lüftung bleiben die Schadstoffe (auch Barium, Antimon, Zink, Kupfer und Aluminium) unterschiedlich konzentriert in der Luft.

Gerade bei Indoorschießständen kann es zu einer erhöhten Belastung mit Blei kommen. Mit einer Feinstaubmaske können Sie diese Belastung weitgehend vermeiden.

Ja, es gibt sogenannte Non-Tox Munition, die auf das Blei im Anzündsatz verzichtet, ist in meinen Augen aktuell keine optimale Lösung. Denn sie kostet ca. 5 EUR pro 50 Schuss (9mm Luger) mehr als die Standardmunition. Und welchen gesundheitlichen Vorteil bringt mir die Munition, wenn der Schütze am Nachbarstand keine verwendet und ich seine giftigen Gase einatme?

Vor allem Schützen dynamischer Disziplinen (z.B. Mehrdistanz und IPSC) sind einer noch höheren Belastung mit Blei ausgesetzt als die Präzisionsschützen. Denn diese Schützen geben nicht nur mehr Schuss ab, sie bewegen sich auch mehr in der bleihaltigen Luft. Aber auch der Präzisionsschütze, der zur Trefferaufnahme zur Scheibe nach vorne geht, ist der kontaminierten Luft verstärkt ausgesetzt.

Wie hoch ist nur die Belastung von Sportschützen?

Eine Studie aus dem Jahr 2009 (Link unter dem Artikel) konnte gerade bei Klein- und Großkaliberschützen eine stark erhöhte innere Bleibelastung feststellen. Dazu wurden 129 Sportschützen unterschiedlicher Disziplinen auf die Konzentration von Blei im Blut hin untersucht. Ein IPSC Schütze hatte sogar eine innere Bleibelastung von über +1000% (521 μg/l Vollblut) im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung.

Eine mehr als 300% höhere Belastung bei Sportschützen (im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung)!
innere Bleibelastung bei Sportschützen
PersonengruppeBelastung (Median)Range
Referenzwert (Umweltbundesamt 1998) 4646 untersuchte Personen31 μg/l
Luftgewehrschützen33 μg/l18 – 127 μg/l
reine Großkaliberschützen100 μg/l28 – 236 μg/l
Klein- und Großkaliberschützen107 μg/l27 – 375 μg/l

Die Studie zeigt, dass Klein- und Großkaliberschützen einer durchaus bedenklichen Belastung mit Blei ausgesetzt sind. Ob nun Maßnahmen ergriffen werden sollen, das muss jeder Schütze mit sich selbst ausmachen. Für mich steht fest, dass ich mich nicht mehr dieser Bleikonzentration aussetzen möchte.

Zu meinen Vorschlägen für Sportschützen

Mit Feinstaubmasken gegen die Bleibelastung

Eine Schutzmaske (z.B. FFP2 Zeritifkation) kann eine erhöhte innere Bleibelastung durch das Sportschießen verhindern. So ist im Jahr 2010 ist eine Dissertation mit dem Titel „Untersuchung der Bleiaufnahme bei kurzzeitigen Aufenthalten in Schießständen“ erschienen, die unter anderem untersucht hat, wie sich das Tragen von FFP2 Schutzmasken während des Schießens auf die innere Bleibelastung auswirkt. Bei den Versuchen waren die Probanden (keine Sportschützen) ca. 60 Minuten auf dem Schießstand und wurden dabei ca. 440 Schuss (GK) ausgesetzt, was einer üblichen Session auf einem vollen Stand entsprechen sollte.

Blutbleiwerte mit und ohne FFP2 Schutz

Das Ergebnis spricht für sich. Ohne FFP2 Schutzmaske lagen die Blutbleiwerte 48 Stunden nach der Exposition mehr als doppelt so hoch (17,4 μg/l vs 39,9 μg/l). Mit FFP2-Maske konnten 48 Stunden nach der Exposition keine erhöhten Blutbleiwerte festgestellt werden.

Doppelt so hohe Blutbleiwerte 48 Stunden nach der Exposition OHNE FFP2-Maske
Keine erhöhten Blutbleiwerte 48 Stunden nach dem Schießstandbesuch MIT FFP2-Maske

Absolute betrachtet sind die Werte mit 40 μg/l immer noch recht gering. Allerdings waren die Probanden keine Sportschützen und gingen ohne Verbelastung in die Untersuchung hinein. Ein parallel untersuchter Sportschütze (28 Jahre) wies vor der Exposition schon einen Blutbleiwert von 72,1 μg/l auf, der 48 Stunden nach der Exposition bei 138,1 μg/l. Auch in diesem Fall konnte eine Schutzmaske helfen den Wert auf Vor-Expositions-Niveau zu halten.

Für mich steht fest. Auf Indoorschießständen gehört eine Maske neben Brille und Gehörschutz mit auf den Stand.

Warum ich mich für eine Feinstaubmaske entschieden habe

Munition 9mm Luger

Mit so einer Schutzmaske verringere ich auf jeden Fall das Risiko Bleipartikel ein zu atmen und kann so etwas Positives für meine Gesundheit tun. Die Entscheidung für eine Maske viel mir nach der ersten Recherche recht leicht. Fakt ist nun einmal, dass Sportschützen auf Indoor-Schießständen einer höheren Bleibelastung ausgesetzt sind als die Allgemeinbevölkerung. Die bleihaltigen Gase werden vom Sportschützen eingeatmet und reichern sich in seinem Körper an. Je nach innerer Bleikonzentration kann es zu unterschiedlichen gesundheitlichen Auswirkungen kommen. Eine Verbesserung des Gesundheitsstatus ist nicht zu erwarten. Neben Gehörschutz und Brille auch noch die Maske anzulegen ist für mich kein Problem.

Mit möglichen Gegenargumenten habe ich mich natürlich auch beschäftigt, konnte diese aber recht schnell widerlegen.

Preis – Die Masken sind teuer

Naja, Sportschießen ist an sich schon ein sehr teures Hobby, so dass so eine Schutzmaske nur einen kleinen Teil des Jahrebudgets ausfüllt. Etwas mehr Trockenübungen, 5 Schuss weniger pro Session und die Ausgabe für die Maske hat sich schnell amortisiert.

Aussehen / Eitelkeit

Als Sportschütze trägt man schon Gehörschutz, Schutzbrille bzw. Schießbrille. Attraktiver wird man durch diese Kombination nicht. Eine stylische Schutzmaske wertet den Look auch nicht weiter ab, eher sogar auf. 😉

moderne Schießstände – gute Lüftung

Mag sein, dass moderne Schießstände ein bessere Lüftung haben, die die toxischen Gase vom Schützen weg transportieren. Diese verharren dann eine längere Zeit im Schusskanal und werden bei der Trefferaufnahme vom Schützen eingeatmet.

Welche Maske soll es nun sein?

In der verlinkten Studie wurde eine FFP2 zertifizierte Maske verwendet. Dies bietet einen Anhaltspunkt bei der Auswahl der richtigen Maske. Der Kundensupport der Firma Respro hat mir dazu geraten eine Maske mit Filter der Kategorie 3 (DAAC + HEPA Filter) zu verwenden. Einen solchen Filter verwende ich in meiner Respro Sports auch.

Welche Maske nun gewählt wird ist von persönlichen Kriterien (Kopfgröße, Budget, Anspruch an die Optik) abhängig.

Eine günstige Universalmaske ist die Aura von 3M*. Sie hat den FFP2 Standard dürfte für so gut wie jede Kopfgröße geeignet sein. Außerdem harmoniert sie gut mit dem Gehörschutz.

Wenn es eine optisch ansprechendere Maske sein soll, dann würde ich zu der Respro TECHNO™* greifen, da diese Maske direkt mit dem Kategorie 3 Filter geliefert wird. Dieser Filter hat eine Einsatzdauer von ca. 60 Stunden, was bei ca. 4 Schießstandbesuchen im Monat für ca. 1 Jahr reicht.

Ich selber verwende eine Respro Sportsta* mit einem Kategorie 3 Filter.

Informationsquellen:
Bleikonzentration im Blut von jugendlichen und erwachsenen Sportschützen (2016): https://edoc.ub.uni-muenchen.de/19172/1/Grabmann_Alexandra.pdf
Schießsport und innere Bleibelastung (2009): https://edoc.ub.uni-muenchen.de/9920/1/Demmeler_Matthias.pdf
Untersuchung der Bleiaufnahme bei kurzzeitigen Aufenthalten in Schießständen (2010):https://edoc.ub.uni-muenchen.de/11722/1/Muehle_Peter.pdf
Umweltbundesamt: https://www.umweltbundesamt.de
Bilder:
pixybay.com / Brett_Hondow
pixybay.com / mlgdave
pixybay.com / Belova59

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